|
Christian Matthias Theodor Mommsen
( 1817-1903 )
|
|||
| Stimmen der Forschung
"Mommsen und Ranke stehen gemeinsam an der Spitze
der Geschichtsschreiber des 19. Jahrhunderts. Rankes Werk ist fast durchweg
darstellende Geschichte, Mommsen hingegen verdankt seinen Ruhm nicht allein
seiner Meisterschaft in der Beschreibung, sondern auch seinem Beitrag
zum Verstandnis von Institutionen und der Herausgabe von Inschriften und
Quellen. Beide waren einzigartig in ihrer gro?en Produktivitat und der
Verbindung kritischer Methoden mit einer synthetischen Geschichtsauffassung.
|
![]() |
||
![]() |
Beide waren die verehrten Lehrer
von Generationen von Studenten, und beide wurden alt genug, um ihre unumstrittene
Vorrangstellung zu erleben. Mommsens Veroffentlichungen erstrecken sich
uber einen Zeitraum von uber sechzig Jahren. Seine Fruhwerke zeigen keine
Spur von Unreife, seine Spatwerke nichts von einem Abstieg. Ihm allein gelang
die volle Assimilierung und Wiedergabe der romischen Kultur, um die sich
seit Scaliger so viele Forscher bemuht hatten. Vor Mommsen war die romische
Geschichte genauso unzulanglich wie die europaische Geschichte der Neuzeit
vor Ranke." George P. Gooch in: ders.: Geschichte und Geschichtsschreiber im 19. Jahrhundert, Frankfurt a. M. 1964, S. 534-535. |
||
|
"Die Eigenschaften, die er fur einen Historiker
fur unentbehrlich hielt juristische, sprachliche und literarische
Kenntnisse sowie rasche Auffassungsgabe und eingeborene Genialitat, die
in der Verzweigtheit der Geschichte Bedeutung und Zusammenhange erkennt
besa? er selber in einem Ausma?, das kein anderer moderner Historiker
ubertroffen hat." Auf die kurzeste Formel gebracht, erscheint Mommsens
Lebensweg in dreifacher Weise exemplarisch: Niebuhrs Wegweisungen folgend,
hat Mommsen in der Altertumswissenschaft das Zeitalter des kritischen
Realismus eroffnet und durch eine Arbeitsleistung ohnegleichen unser Wissen
vom alten Rom gewaltig vermehrt; auch als Gelehrter, als Professor in
des Wortes ursprunglicher Bedeutung, hat er sein politisches Temperament
niemals verleugnet und die Romische Geschichte zu einem Werk
politischer Padagogik im Sinne seiner liberalen und nationalen Ideale
gestaltet; er hat es, wie wenige Historiker, verstanden, der Geschichtsschreibung
in der gro?en, unverganglichen Literatur einen Platz zu erobern (Nobel-Preis
1902)." Mommsens wissenschaftliche und organisatorische
Leistung ist unerreicht. Die Erforschung der romischen Geschichte baut
auf seinem Lebenswerk auf. Die von ihm initiierten Gro?projekte der Berliner
Akademie, die zum Teil heute noch nicht abgeschlossen sind, bieten die
unverzichtbare Quellengrundlage fur eine Vielzahl althistorischer Studien.
Die fruchtbare Auseinandersetzung mit dem eindrucksvollen Bild, das er
von der romischen Geschichte und vom romischen Staatsrecht gezeichnet
hat, dauert an. Sein Eintreten fur nationale und internationale Kooperation
ist richtungweisend." |
|||